Inbound und Outbound Marketing für Wichtigtuer

Es ist mal wieder soweit … Trommelwirbel … die Marketingwelt hat wieder zwei neue Begrifflichkeiten, die kein Mensch braucht, über die man aber hervorragend Seminare halten und mit denen man wieder schön Kunden verwirren kann.

Es geht um Inbound Marketing sowie Outbound Marketing. Laut Wikipedia hat Brian Halligan (CEO von hubspot.com) den Begriff Inbound Marketing geprägt, selbstverständlich hat er nicht nur ein Buch darüber geschrieben, sondern als „Schöpfer“ auch gleich noch die passende „Inbound Marketing University“ (inboundmarketing.com) dazu gegründet. Über die Herkunft des Begriffs Outbound Marketing schweigt sich Wikipedia bisher aus, will sich keiner den Burner auf die Fahne schreiben?

Den meisten ist Inbound/Outbound wohl eher am geläufigsten aus dem Bereich der CallCenter (heisst ja prinzipiell nichts anderes wie „eingehende und ausgehende Anrufe“). Mal abgesehen davon das sich mir der Sinn eines „ein- oder ausgehenden Marketings“ nicht erschliesst (kommt da ein Markt ins Haus geschlendert oder haut er durch die Hintertür gleich wieder ab?) sind die hochtrabenden Begriffsbestimmungen im Endeffekt eine aufgewärmte (altbekannte) Suppe.

Fachleute bezeichnen mit Outbound Marketing sowas wie: Messen, Fernsehwerbung, Zeitungsanzeigen, E-Mail (Spam), etc. quasi möglichst weit und breit seine Verkaufsargumente streuen, in der Hoffnung das der eine oder andere Kunde darauf anspringt. Hört sich für mich nach ganz normalem Vertrieb an, ist es auch. Also ein weiterer, überflüssiger Begriff, den man sich echt sparen kann und der keinem etwas bringt, ausser den ganzen „Outbound Gurus“ da draussen.

Kurz: Outbound Marketing = Kunden finden.

Doch das eigentliche Highlight ist ja die bahnbrechende, neue Strategie: Inbound Marketing. Hierzu sagen die Fachleute, es handelt sich dabei um die nächste, höhere Stufe des Marketings. Ein wahnsinnig neues Konzept der strategischen Lead Generation. Dieses Meisterwerk verfolgt einen völlig neuen Ansatz: Unternehmen suchen jetzt keine Kunden mehr, sondern sie lassen sich von Kunden finden! Darüber könnte man jetzt ganze Romane verfassen, doch auf den Punkt gebracht, geht es einfach darum als Unternehmen genau da zu sein wo ein potentieller Kunde grade ist oder sucht. Als einer der besten Beispiele dient hier wohl ganz klar die bezahlten Suchergebnisse bei Google, Bing & Co. Ein Kunde sucht nach einem Handy und ich bin mit meiner Werbung bereits da um ihm genau das zu bieten.

Kurz: Inbound Marketing = Von Kunden gefunden werden.

Fazit: Mal abgesehen davon das sich beide Begriffe um ein und dieselbe Sache drehen (nämlich schlichtweg den Vertrieb) überlappen sie sich auch noch permanent, was dadurch natürlich ausreichend Nährstoff für sinnfreie Diskussionen unter Fachleuten führt. Als Beispiel soll hier die klassische Zeitungsanzeige dienen: Wenn ein Unternehmen in einer Tageszeitung eine Anzeige schaltet, ist es im ersten Moment „Outbound Marketing“, jedoch gibt es natürlich auch immer Personen, die gerade in dem Moment nach dem angebotenen Produkt/ Dienstleistung suchen, in dem Falle handelt es sich dann schon wieder um „Inbound Marketing“. Man könnte sagen das alles Outbound Marketing ist und wenn man „zufällig“ dabei auf Interessierte trifft hat man Inbound Marketing, wobei die Experten ja nichts von Zufällen hören wollen, beim Inbound soll ja alles genau darauf ausgelegt sein, die „Richtigen“ zu treffen.

Jedes Unternehmen das Werbung betreibt will im Endeffekt nichts anderes als seine Produkte/Dienstleistungen verkaufen und das natürlich möglichst effektiv, daher braucht die Wirtschaft auch keine Begriffe wie In- & Outbound Marketing, sondern schlichtweg effektive Absatzwege & Möglichkeiten.