Das inflationäre Empfehlungsmarketing im Internet

Am Montag gab es auf RTL eine Reportage über das Thema „Die Tricks der Marketing-Experten“ > Nicht mit uns! Die große Schnäppchenlüge [Link zu RTLnow], dabei ging es u.a. um eine Familie, die den „geheimen“ Auftrag hatte diverse Produkte unterschwellig an ihre Freunde & Nachbarn zu vermarkten. Grundsätzlich ging es dabei im Endeffekt um das (Aus)nutzen der Freundschaft/Bekanntheit um Begehrlichkeiten zu wecken und letztendlich die Forcierung des Wunsches das jeweilige Produkt ebenfalls besitzen zu wollen, klassisches Empfehlungsmarketing halt. Dabei wurden bewusst Produkte gewählt, die man nicht wirklich benötigt, um den Einfluss von Freundesempfehlungen besser abschätzen zu können.

Kurzum: Es wurden einige der Produkte erfolgreich im näheren Dunstkreis der Familie an den Mann und die Frau gebracht.

Aber auch nicht besonders überraschend, denn es liegt uns seit Urzeiten in den Genen, den uns bekannten Menschen ein gewisses Vertrauen entgegenzubringen. Wer weiss wieviele Urzeitmenschen schon ihre Mitmenschen davor gewarnt haben „über den Hügel im Osten auf Jagd zu gehen“ da dort angebliche das Jagdrevier unzähliger Säbelzahntiger ist, wobei sie im Endeffekt nur ihr eigenes, bestes Jagdrevier schützen wollten und dort tatsächlich weit und breit kein anderes Raubtier sein Unwesen treibt. Oder wie lange glaubten die Menschen die Erde sei eine Scheibe? Irgendjemand hats mal behauptet, es sprach sich rum und seit dem „stimmte es einfach“.

Heutzutage ist es auch nicht anders, jedes mal wenn wir im Fernseher die Nachrichten schauen ist dort ein Sprecher, der erzählt uns etwas und wir nehmens hin, taucht die Schlagzeile später zusätzlich noch in gedruckter Form in der Zeitung auf, dann haben wirs „Schwarz auf Weiß“ und die Nachricht ist ein absoluter Fakt.

Wir sind also bis zu einem bestimmten Grad beeinflussbar, das wissen die Marketingexperten dieser Welt und suchen täglich nach neuen Ideen, um uns für ihre Produkte zu begeistern. Mit dem Internet hat sich eine neue Welt eröffnet mit vielen neuen Möglichkeiten, eine davon sind die sozialen Netzwerke.

Hier wird kräftig geshart, -tweetet,-liked, -plust, etc., doch mit echtem Empfehlungsmarketing hat das in den meisten Fällen nichts mehr zu tun. Man bekommt „Aufforderungen“ von Menschen die man nicht kennt, etwas zu „mögen“, was man ebenfalls nicht kennt und schon gar nicht braucht. Trotzdem wird es immer weiter, bis(s) zum Umfallen, praktiziert, in der Hoffnung das doch mal der Eine oder Andere drauf anspringt.

Hat sich da irgendjemand mal ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wie das im wahren Leben aussieht? Du gehst über die Strasse und plötzlich springt da ein Wildfremder aus dem Gebüsch und fordert dich auf seine „Klobürstenheizung“ toll zu finden, das du sie unbedingt kaufen musst und es deinen Freunden empfehlen sollst. Wie würdest du darauf reagieren? Die „Herren in Weiß mit der anhänglichen Jacke“ anrufen, direkt eins auf die Fr**** hauen, schreiend wegrennen? Was denken sich diese „Social-Media-Experten“, die tagtäglich per Knopfdruck ihre Armeen von digitalen „Klobürstenheizungsvertretern“ durchs Web jagen, das es sich beim Internet um ein anderes Universum handelt?

Im Endeffekt führt das Ganze nur dazu, das Internetuser immer weiter abstumpfen. Traurig aber wahr, schon heute wird viel zu oft irgendetwas geshart oder geliket, um jemandem einen Gefallen zu tun, ohne das man das Produkt (oder die Dienstleistung) überhaupt kennt oder selbst getestet hat. Die anhängenden Freunde werden somit zur Müllhalde diverser Gefälligkeiten und Menschen die es gut meinen, verbreiten den Mist auch noch weiter, da sie denken, sie würden wiederum dir einen Gefallen damit tun. Ist ja alles nur ein „Knopfdruck“.

Schomal jemand über den eigenen Reputationsschaden, schwindendes Vertrauen sowie Glaubwürdigkeit nachgedacht? Es sitzen (meistens) immer noch echte Menschen hinter den virtuellen Social-Media-Accounts, wieso wird mit denen anders umgegangen als wie im wahren Leben, dort würden wir uns solche Peinlichkeiten nicht unbedingt zutrauen. Im Web hingegen ist das ja einfach … ist nurn Knopfdruck

Da kann man ja schon echt froh sein, das unsere atomaren Supermächte nicht so denken … ist nurn Knopfdruck

Es wird Zeit, das ein Umdenken stattfindet, hinter den ganzen Accounts und Profilen stecken normale Menschen. Die Devise sollte nicht mehr heissen „irgendwie tonnenweise Follower, Friends und Fans zu bekommen, um diese anschliessend mit Müll zu übergiessen“, sondern sich wirklich bewusst machen, das es dort um echte Menschen geht und wie man diese auf respektvolle, ehrliche Weise begegnet. So wie man es auch im „wahren Leben“ machen würde.

Viele kennen sicher den sarkastischen Spruch: „Hilf jemanden der in Not ist und er wird sich an dich erinnern, wenn er wieder in Not ist“, auch wenn die „Weisheit“ dahinter (eigentlich) klar ist, steckt im Kern hingegen eine andere Bedeutung, die sogar ein erfolgreiches Marketingkonzept beinhaltet: Menschen erinnern sich an Dinge, Situationen oder auch andere Menschen, die ihnen aus der „Patsche“ geholfen haben. In dem meisten Fällen kaufen Menschen Dinge, die ein Problem lösen sollen, gute Produkte/Dienstleistungen sind einfach Problemlöser und wenn diese gut funktionieren, werden sie von alleine und sogar gerne weiterempfohlen, da man jemandem mit diesem Tipp ebenfalls einen Gefallen tun kann.

Anstatt nun, wie bisher, die Menschen im Web mit Kaufaufforderungen irgendwelcher Produkte zu überschütten, sollte man sich mal überlegen welches Problem das jeweilige Produkt am besten lösen kann. Begeistert Friends & Fans mit hilfreichen Step-by-Step-Anleitungen, Tutorials, Tipps & Tricks und bringt die passenden Beispiele, Belege, Testimonials (aber bitte nur echte und glaubwürdige). Produkte werden dabei nur unterschwellig, beiläufig erwähnt (wenn sie ihren Job wirklich gut machen), der Fokus liegt auf der Lösung eines (oder mehrere) Probleme.

Helfen statt belästigen, wäre schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung.